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Franziska Reichenbacher

Geschrieben von Ariola/Sony Music, Maraton Records GmbH. Veröffentlicht in Interviews

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Am 24. Januar 1998 begann Franziska Reichenbacher als Moderatorin der samstäglichen ‚Ziehung der Lottozahlen’ in der ARD als Nachfolgerin von Karin Tietze-Ludwig. Am Samstag, den 23. Mai 2009, wird Franziska Reichenbacher zum 500. Mal die Sendung live in der ARD präsentieren, die vom Hessischen Rundfunk in Frankfurt produziert wird. In diesen 500 Ziehungen wurden rund 900 Menschen zu Lotto-Millionären - insgesamt wurden rund 17,5 Milliarden als Gewinne ausgeschüttet.

Wie sind Sie eigentlich die ‚Lottofee’ geworden?

Franziska ReichenbacherDurch Zufall und auch mit Glück. Ich war bereits TV-Moderatorin bei einem Nachrichtensender in Berlin, als beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main fieberhaft und heimlich nach einer Nachfolgerin für Karin Tietze-Ludwig gesucht wurde. Es hatte mehrere geheime Castings gegeben, aber man hatte noch niemanden gefunden. Der damalige Unterhaltungschef des Hessischen Rundfunks, der mich anderthalb Jahre zuvor bei einem Seminar für Nachwuchsmoderatoren gesehen hatte, hatte mich noch in guter Erinnerung. Der empfahl mich schließlich und dann ging es ganz schnell. Ich erhielt einen Anruf, ob ich mir vorstellen könnte die Lottoziehung zu moderieren, war völlig überrascht, sagte ‚Ja’ und versprach allergrößte Geheimhaltung, bis der Wechsel der „Glücksfeen“ öffentlich bekannt gegeben wurde.

Nun steht Ihre 500. Ziehung an – mit welchen Gefühlen begehen Sie dieses Jubiläum?

Ich freue mich, weil ich diese Sendung wirklich gerne präsentiere und es mir auch nach über elf Jahren immer noch viel Spaß macht. Gleichzeitig denkt man: ´Auweia, wo ist denn die Zeit geblieben, schon 500 Sendungen rum?` Und so eine runde Zahl markiert auch immer einen Abschnitt, man kann inne halten und sich vergegenwärtigen, wo man steht. Und sich auf die hoffentlich nächsten 500 Sendungen freuen… (lacht).

Wie kamen Sie auf die Idee, zu diesem Jubiläum die CD "GLÜCK...und auf einmal steht es neben dir" zu machen?

Durch diese Sendung ist das Glück ein ganz großes Thema in meinem Leben geworden. Die Zuschauer sitzen voller Erwartung vor dem Fernseher, voller Hoffnung auf einen Geldgewinn, der ein finanziell sorgenfreies Leben möglich und Träume vom Glück wahr machen kann. In meinen Moderationen versuche ich immer darauf einzugehen. Aber wie ist das überhaupt mit dem Glück? Ich wollte mich dem Glück einmal auf neue Weise nähern, habe mich auf die Suche gemacht und bei den Dichtern und Schriftstellern wunderbare Antworten gefunden. Gemeinsam mit der Musik wollten wir das Glück hörbar machen, sozusagen den ‚Soundtrack zum Glück’ finden.

Wer hat die Musik dazu geschrieben?

Der britische Filmkomponist Richard Blackford hat exklusiv für diese CD und zu den Texten wunderschöne, stimmungsvolle Musiktitel geschrieben, die mal atmosphärisch leicht, mal opulenter die Texte begleiten. Die Musik wurde dann mit großem Orchester in den Pinewood Studios in England eingespielt, wo auch die James Bond - Filmmusiken aufgenommen werden. Dazu kamen noch tolle Aufnahmen des Frankfurter Komponisten Andreas Lucas.

Wie kamen Musik und Wort zusammen?

Das war sehr spannend: Richard hatte zuerst meine Aufnahmen der Gedichte gehört, hat dazu dann komponiert. Dann war die Musik da und es war sehr beeindruckend, wie durch die Musik die Stimmungen der Gedichte und Texte noch mal ganz neu wirkten. Inspiriert durch Richards Musik habe ich dann manche Texte noch einmal anders gelesen und neu aufgenommen. Ein ganz spannender, künstlerischer Prozess.

Was sind das für Texte auf der CD?

Es gibt wunderschöne Texte, die hoffnungsfroh und geradezu glücklich machend das Glück beschreiben. Auch das flüchtige oder vergängliche Glück haben Dichter wie Hermann Hesse oder Fernando Pessoa in wunderbare, sehr berührende Worte gefasst. Und ein ganz fröhliches, witziges Gedicht gibt es zum Beispiel von Heinz Erhardt, da heißt es am Schluss: „Und hast du Schwein - dann halt es fest“.

War es schwierig, solche literarischen Texte aufzunehmen?

Das ist tatsächlich ein ganz anderes Sprechen als im Fernsehen und so war das wirklich eine tolle, neue Herausforderung mit richtig viel Arbeit im Studio. Aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht.

Was bedeutet der Untertitel der CD „- und auf einmal steht es neben dir“?

Diese Zeile fand ich bei Joachim Ringelnatz und es ist eigentlich die Botschaft der CD. Es gibt das Glück, auf das wir immer hoffen, das plötzlich überraschend auftauchen kann. Die Hoffnung auf dieses Glück beflügelt uns ja auch, gibt uns Kraft. Aber daneben gibt es das Glück, das bereits da ist, für das wir nur unsere Augen öffnen müssen, um es endlich zu erkennen. Dann steht es tatsächlich „auf einmal neben dir“ … - oder vor dir. Das fand ich wunderschön, so tröstlich. „Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da“. So hat es Goethe ausgedrückt und danach versuche ich auch zu leben.

Haben Sie bei der Arbeit für dieses Projekt selbst auch noch etwas Neues erfahren?

Ja, unbedingt. Mir ist noch klarer geworden, dass Glück ohne Unglück nicht möglich ist und dass es ganz normal ist, nicht immerzu glücklich zu sein. Es gibt kein Glück, das ständig und andauernd da ist, Glück ist ein zartes, zerbrechliches, kaum fassbares Gut, für das wir immer dankbar sein müssen.

Was macht Sie glücklich?

So kitschig es vielleicht auch klingen mag: Ich glaube tatsächlich an das große Glück der Liebe... wenn sie gelingt. Das ist ja nicht so einfach. Seit über 18 Jahren bin ich mit meinem Mann Alfred zusammen, und ohne diese Liebe kann ich mir mein Leben gar nicht vorstellen. So handelt mein Lieblingstitel auf der CD auch vom Glück der Liebe, „Nur liebend ist dein Herz ein Herz“. Und außerdem gibt es für mich, als Mutter von zwei Kindern, das ganz besondere Glück, dass man mit Kindern erfährt. Da habe ich lange nach einem passenden Text gesucht und nichts gefunden. Dann habe ich darüber selbst ein Gedicht geschrieben.

Was würden Sie anderen raten, wie man sein Glück finden kann?

Oh, das ist aber jetzt noch eine sehr schwierige Frage … (lacht). All den Hunderten von Glücksratgebern zum Trotz, wage ich zu behaupten, dass es kein allgemeingültiges Rezept zum Glück gibt. Jeder hat seine eigene Geschichte und seine eigene Idee vom Glück. Das einzige was ich wirklich sagen kann: Ich glaube eine große Portion Realismus ist wohl die beste Voraussetzung, um glücklich zu sein. Sich nichts vormachen, ehrlich zu sich selbst und anderen sein, sich auch Fehler eingestehen, seine eigene Situation richtig, d. h. realistisch einschätzen und – die richtigen, stimmigen Glücksvorstellungen von den falschen Glücksversprechen unterscheiden. Ich glaube, dann hat man gute Chancen sein Glück zu finden.

Ariola/Sony Music, Maraton Records GmbH


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